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Bei den Schafen schlafen
2025 – ongoing


Spuren des Krieges in Landschaften verewigt.
Orte, geprägt vom Erinnern, überzogen vom Vergessen. 
Für unser Projekt „Bei den Schafen schlafen“ sind wir an Orte gereist, an denen vergangene Kriege noch sichtbar sind. Einschusslöcher, Bombenkrater, Schützengräben. 
Orte, deren Landschaften selbst zu Archiven werden. Zwischen Mahnmalen, Museen und Feldern sind wir unterschiedlichen Formen des Gedenkens begegnet. 
Teil nationaler Identität, mit Stolz verbunden, von Distanz geprägt, ein „nie wieder“, begleitet von Unbehagen und Ermüdung gegenüber historischer Verantwortung.

Und gleichzeitig ist da eine Stille. 
Eine Stille in den Landschaften selbst. 
Von der Natur überwachsen. 
Schön, ruhig, gar idyllisch, wie die Sonne über die grünen Hügel strahlt. Schatten wirft. Busse fahren vorbei. Kränze werden niedergelegt. Schafe schlafen in der von Bombentrichtern zerrissenen Landschaft. Schlachtfelder werden zu Weiden, Bombenkrater zu Biotopen, Kriegslandschaften zu Erinnerungslandschaften. 
Ein stilles Unbehagen.

Uns bewegt die Frage, wie Geschichte fortwirkt, nicht als ferne Erinnerung, sondern als Teil unserer Gegenwart. 
Wir gehören einer Generation an, die Kriege hauptsächlich aus dem Geschichtsunterricht kennt, sich nun aber mit der Möglichkeit militärischer Konflikte auseinandersetzen muss. Während überall auf der Welt Kriege toben, wird auch wieder in Deutschland über Verteidigung, Wehrpflicht und Verantwortung gesprochen. Wieder wird aufgerüstet, wieder wird eine Generation gefragt, wofür sie zu kämpfen bereit ist, verfügbar, registriert und geprüft, verwertbar im Namen der Nation. Unter dem Banner der „Zeitenwende“ wird Krieg wieder normalisiert, die Militarisierung der Gesellschaft vorangetrieben. Das Vokabular der Gewalt kehrt zurück, getarnt als Verantwortung. 
Wer zögert, gilt als naiv. 

Was hat all das Gedenken an die vergangenen Kriege gebracht? Wie verändert sich Erinnerung, durch aktuelle Diskurse? Welche Verantwortung trägt eine Gesellschaft, 
deren Mahnmale zwischen Ritual und Gleichgültigkeit zu kippen drohen?

In dieser Arbeit nähern wir uns Orten, an denen Erinnerung und Zukunft verhandelt werden. Wir nutzen das Medium der Fotografie, um Landschaften, Stimmen und historische Spuren zu beobachten, zu befragen, zu sammeln und zu dokumentieren. Fragmente, die sich zu einem Reflexionsraum über Gewalt, Erinnerung und Gegenwart verbinden, in dem Brüche und Ambivalenzen des Gedenkens sichtbar werden. „Bei den Schafen schlafen“ entspringt unserem Unbehagen gegenüber den stillgebrochenen Versprechen der Erinnerung.



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